Kreuz & Queer, 2017
Illustratoren aus aller Welt zeigen, ...

1) ... welche Gender-Identitäten ihr Land kennt:
"Auch wenn es in der Schweiz ein Verständnis für Transgender oder Intersexualität gibt, und eine Auseinandersetzung mit Geschlechterrollen stattfindet, gilt das binäre Geschlechterverständnis noch immer als Norm. Die zugeschriebenen Rollenbilder oder Verhaltensweisen sind klar definiert und noch immer konservativ geprägt."

2) ... wie Menschen in ihrer Heimat zusammenleben:
"Ich denke, dass in der Schweiz die übliche Beziehungsform jene zwischen Mann und Frau ist und das Kindermachen früher oder später einfach dazu gehört. Familienstrukturen sind in der Realität aber häufig komplexer und unterschiedlicher als man denkt. Ausserdem muss eine Beziehung heutzutage nicht mehr gleich auch Familie bedeuten. Das klassische Beziehungs- und Familienbild wurde in den letzten Jahrzehnten aufgebrochen und die Norm passt sich dieser Entwicklung nun schrittweise an. Die Frage ist, wie weit."

3) ... die speziellste Sexpraktik ihres Landes:
"Welche sexuellen Praktiken als 'seltsam' bezeichnet werden, kann ich nicht sagen, da dieser Begriff eine subjektive Antwort verlangt. Natürlich ist es aber spannend sich zu überlegen, welche Arten von sexuellen Praktiken als seltsam gelten und welche als normal betrachtet werden. Grundsätzlich kann ich aber sagen, dass Sexualität hauptsächlich im Privaten abläuft und immer noch als etwas sehr Intimes behandelt wird. Es kommt eher selten vor, dass konkrete Details über die sexuellen Vorlieben oder Handlungen als etwas ganz natürliches besprochen werden und wenn, dann passiert es nicht selten, dass der Eine oder die Andere leicht errötet und verlegen kichert."

4) ... wie LGBTs in ihrer Heimat leben:
"Es gibt Fragen, auf die es keine Antworten gibt. Würde ich Corinne Mauch als Beispiel nehmen, Zürichs lesbische Stadtpräsidentin, dann müsste ich sagen: Mit LGBTs ist in der Schweiz alles bestens. Damit würde ich aber auch gleich sagen L ist gleich G ist gleich B ist gleich T, und vermutlich unterscheiden sich nur schon in Zürich die Lebenswelten einer ausländischen Transsexuellen extrem stark von jener unserer bestens integrierten, akzeptierten
Stadtpräsidentin. Was wiederum nicht bedeutet, dass es für eine lesbische Frau oder einen schwulen Mann auf dem Land einfach ist, zu seiner sexuellen Orientierung zu stehen.
Es lässt sich vermutlich leichter leben für einen jungen Mann auf dem Land, wenn er sich vor seinen Fussballkumpels auch für Frauen interessiert, obwohl sie ihn eigentlich nicht interessieren. Das ist ein Fakt. Und eines der wenigen Urteile, die ich mir als weder L noch G noch B noch T anmassen kann: In der Schweiz gibt es Fortschritte, was die Nicht-Diskriminierung angeht, und trotzdem gibt es tausende Einzelschicksale hier und dort und überall, gerade auch im Kontext von sozialen Strukturen, mit denen man nicht tauschen möchte, weil Akzeptanz und Toleranz nach wie vor häufig nur auf dem Papier existieren."

5) ... was Schönheit in ihren Ländern bedeutet:
"Das neue Schönheitsideal heisst Selbstoptimierung. Die T-Shirts sind vielleicht noch dieselben, wie in den 80ern und den 90ern, aber das Heroin und das LSD sind definitiv Kokain und Speed gewichen. Und dem Joggen und dem veganen Bio-Drink. Und Drei-Stunden-Instant-Raves, damit du auch sicher genug schläfst. Und wenn du am Wochenende über die Stränge schlägst, verbringst du die Woche im Gym oder auf der Strasse, aber nicht um zu demonstrieren oder um in schummrigen Ecken cool zu rauchen, wie das Pete Doherty vielleicht noch getan hätte, sondern um zu joggen. Drogen reinpfeifen, Drogen rausschwitzen.
Das Schönheitsideal heisst neonrotes Adidas-Top und tighte, schwarze Leggins und leuchtende Asics-Turnschuhe mit einem iPhone an den Oberarm geklebt, das gleich auch noch deinen Puls misst. Das Schönheitsideal heisst Proteindrink und Yogamatte. Das Schönheitsideal ist ein Lifestyle geworden: Es geht nicht mehr nur darum, so auszusehen wie die Models auf den Plakaten, sondern beginnt bereits auf dem Weg dahin."

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